








Das war in der Tat keine so stille Nacht, das Weihnachtskonzert des Gymnasiums Füssen unter eben diesem Titel „Not So Silent Night“. Dabei ging es sehr besinnlich und herzerwärmend los. Der Unterstufenchor unter der Leitung von Frau Hartmann eröffnete das Programm mit „Fängt der Mond die Sterne“, um danach gleich auf einen der wichtigsten Aspekte des Weihnachtsfestes hinzuweisen: den Frieden. Dabei kombinierten die jungen Sängerinnen und Sänger das israelische Wort Shalom mit dem arabischen Wort Salam und musikalisch kamen eine israelische und eine irakische Melodie zusammen. Begleitet wurde der Chor von einer ihrer Sängerinnen, Lucia Graml an der Harfe. Im nächsten Lied fragten die Kinder „Warum Weihnachten?“ und mit dem aktuellen Song „Ordinary“ zeigten die Sängerinnen und Sänger mit klaren Stimmen, wie wichtig Menschen füreinander sein können in ihrem füreinander Dasein.
Ein kurzer Umbau war notwendig, dann hatte das Orchester auf der Bühne in der Aula Platz genommen und machte gleich mit dem ersten Stück deutlich, warum dieses Konzert den entsprechenden Titel trug. Der „Cha Cha Cuba Libre“ wurde mit Begeisterung von den jungen Musikerinnen und Musikern gespielt und Frau Schweiger, die Leiterin des Ensembles, erwog zumindest die Möglichkeit, dass in Cuba wohl auch an Weihnachten getanzt wird und ein Cha Cha gespielt wird.
In Co-Moderation mit Louis Friedl kündigte sie auch gleich das nächste Stück an, eine „Festliche Weihnachtssuite“, die nun wirklich eine ganze Reihe von bekannten und beliebten Weihnachtsliedern enthielt und in der die Instrumentalistinnen und Instrumentalisten die Möglichkeit hatten ihr Können ganz individuell zu präsentieren. Spätestens nach dem Oboensolo bei „First Noël“ beim Zitat von „Stille Nacht“ im sanften Violin- und Querflötenklang war es eben doch eine „Silent Night“ auch wenn sich das Stück über den „Tannenbaum“ und einem festlichen „Adeste fidelis“ zu einem fulminanten Schluss aufschwang. Abschließend kam noch die Filmmusik zu „Game of Thrones“ zum Vortrag, wobei das Arrangement, das wie die anderen Arrangements von Frau Schweiger genau auf die Besetzung des Schulorchesters zugeschnitten wurde, auch eine weihnachtliche Note enthielt mit dem Zitat des ukrainischen „Carol oft he bells“, das später im Programm vom Oberstufenchor noch in voller Gänze präsentiert wurde.
Nach längerer Zeit gab es auch wieder einen Lehrerchor im Weihnachtskonzert des Gymnasiums Füssen. Mit dem „Adventsjodler“ und „Power of Your Love“ boten die Lehrkräfte besinnliche und einfühlsame Stücke, bevor mit „Rockin‘ Around the Chritsmas Tree“ ordentlich Bewegung auf die Bühne kam. Die letzten beiden Stücke vor der Pause sangen die Lehrer zusammen mit dem Unterstufenchor, was eine klanglich wunderbare Mischung ergab. „Advent is a Leuchten“, was wiederum von der jungen Harfenistin Lucia begleitet wurde und „Happy XMas“ von John Lennon ließen keinen Zweifel mehr daran, dass Weihnachten tatsächlich bereits vor der Türe steht.
Die SMV sorgte in der Pause für die passende Verpflegung, so dass das Publikum gestärkt in die zweite Hälfte des Konzerts gehen konnte. Der Oberstufenchor, der mittlerweile auf 60 Sängerinnen und Sänger angewachsen ist, kam singend auf die Bühne und füllte fast jeden Winkel derselben aus. Noch dazu hatte das Orchester noch einmal dort platzgenommen und begleitete den Chor beim „March de trois rois“, einem alten französischen Weihnachtslied, dessen Melodie George Biszet in seiner „L’Arlésienne-Suite“ verwendet hat. Die Stimmgewalt des Chores konnte mit der voluminösen und prägnant musizierten Orchesterpräsenz absolut mithalten und beide Ensembles hätten einen noch deutlich größeren Raum als die Schulaula füllen können. Auch beim bereits erwähnten „Carol of the Bells“ zeigte sich die dynamische Bandbreite des Ensembles und der strahlende Sopran ließ sicherlich beim einen oder anderen Zuhörer eine Gänsehaut entstehen. Mit dem Spiritual „Steal Away“ gab es einen ruhigen und innigen Besinnungsmoment im Chorprogramm und fünf Solistinnen und Solisten des Chores konnten sich mit ihren Einwürfen wunderbar hervortun. Allen Besucherinnen und Besuchern war bereits der futuristisch, leicht defragmentierte Weihnachtsbaum aus grünen Kartonstücken in der Aula aufgefallen, den die Fachschaft Kunst unter der Federführung von Frau Rölle dort erwachsen hat lassen. Passend dazu erklang vom Chor nun das „O Tannennenbaum“, das mit witzigen Wortspielen, Zitaten anderer (Weihnachts-)Lieder und abrupten Wendungen ein bisschen so klingt, wie wenn man O Tannenbaum nach dem vierten oder fünften gelobten Christbaum versuchen würde. Zuletzt präsentierte der Oberstufenchor nach einem französischen, einem englischen, einem ukrainischen und einem deutschen nun auch noch ein spanisches Weihnachtslied und zeigte, dass er auch auf Spanisch versiert und sicher mit großem Spaß singen kann. Die Begleitung von „Fum Fum Fum“ übernahm Emma Färber virtuos an der Blockflöte, Konstantin Hofmann am Kontrabass, Manuel Pliefke an der Trommel und zuvor hatte er bereits bei anderen Stücken den E-Bass gespielt und Nicolae Ötztürk war bei diesem wie auch bei allen anderen Liedern des Chores ein sicherer und exzellenter Begleiter am Klavier.
Den Abschluss des Konzerts gestaltete die Big Band unter der Leitung von Herrn Pliefke. Mit „I Want It That Way“ legten die jungen Musikerinnen und Musiker gleich einen Klang auf, der aufmerken ließ. Die Bläserstimmen mischten sich sauber und ausgewogen ineinander und die Rhythmusgruppe begleitete zugleich einfühlsam und präzise. Mit „Song for my father“ von Horace Silver erklang ein Hardbop-Klassiker aus den 60er Jahren und hier erklangen wie auch schon zuvor wunderbare Soli. Es zeichnet diese Big Band aus, dass alle Solisten egal, ob sie aus der sechsten Klasse stammen oder bereits kurz vor dem Abitur stehen souverän und sicher ihren Auftritt meistern. Simon Böck und Magnus März waren an der Trompete und Sami Bagci und Louis Friedl am Saxophon zu hören. Big Band kann auch Rockmusik: Mit „Fields of Gold“ hatte Manuel Pliefke einen der besten Songs von Sting gewählt und ein hervorragendes Arrangement für seine Musiker ausgesucht. Beim letzten Song „Viva la Vida“ musste/durfte nun auch das Publikum noch mitwirken und die Band mit Gesang unterstützen. Diese ging ebenfalls immer mehr ins Singen über, wodurch ein ungewöhnliches aber eindrucksvolles Ende gestaltet wurde.
Nachdem Herr OStD Gschnaidner sich bei allen beteiligten bedankt, alle noch einmal auf die Bühne geholt hatte, Geschenke ausgetauscht und allen die besten Wünsche fürs Weihnachtsfest mitgegeben wurden, spielte die Big Band noch den „Soul Bossa Nova“ als „Rausschmeißer“ und so traten alle beschwingt den Heimweg und in die nahenden Ferien an.
Text und Fotos: Dorothea Schweiger